Mittwoch, 14. Dezember 2011

Der Christbaumchef, eine Weihnachtsgeschichte

Es war einmal eine Frau, nennen wir sie einfach Manuela, die hatte ein Herz für Christbäume. Vor vielen, vielen Jahren hatte sie nämlich in einer namhaften Wohnzeitschrift ein Foto eines Tannenbaumes gesehen der war so übervoll geschmückt dass man die Äste kaum mehr sah. Oh ja, dachte sie, das gefällt mir, so will ich das auch. Und sie fing an Christbaumschmuck zu kaufen, zu basteln und geschenkt zu bekommen. Jedes Jahr wurde der Christbaum nun voller und schöner, wurde bestaunt, bewundert und, wie kann es anders sein, auch fotografiert und alle waren zufrieden.


So hätte es nun wunderschön weitergehen können, doch letztes Jahr in einer kalten Dezembernacht  passierte etwas sehr seltsames. Mitten in der Nacht als Manuela wie üblich tief und fest schlief, glücklicherweise, sonst wäre sie wohl entsetzt gewesen, erhob sich ein kleiner Aufstand in den unteren Etagen des Christbaums, wo die Sächelchen aus Papier, Stroh und sonstigem unzerbrechlichen Material hingen: „Immer müssen wir hier unten hängen, die da oben werden fotografiert und bewundert und wir hier unten höchstens mal von dem jeweiligen Kleinkind der Familie abgezupft. „Genau, wir wollen auch mal nach oben.“ „ Wir brauchen einen Chef, einen Christbaumchef, der dafür sorgt, dass wir auch mal nach oben kommen.“ „Gerechtigkeit für die unteren Etagen!“ So ging es in einem fort.


Glücklicherweise schliefen nicht alle im Baum, denn irgendwo in der Mitte hingen grundsätzlich die Schnee- und Weihnachtsmänner miteinander herum, ein lustiges Trüppchen und ganz schön ausgeschlafen, kann ich Euch sagen. Die bekamen alles mit! „Hilfe, spinnen die?“ „Ein Chef!“ „Wisst Ihr was das heißt?“ „Arbeit, Stress und Ärger“ „ Mit dem gemütlichen Herumhängen ist es dann vorbei“ „ Aber so wie die drauf sind da unten werden die keine Ruhe geben. Los schnell überlegt, ein Vorschlag muss her, mit wem könnten wir leben?“ „ Der nackte Engel“ flüsterte der kleinste und älteste Schneemann.


„ Der nackte Engel soll unser Chef sein!“ riefen die Schnee- und Weihnachtsmänner nun im Chor und ganz schön laut, denn wie gesagt, die waren im Laufe der Zeit ganz schön viele geworden.


Der nackte Engel hing ganz oben im Baum, direkt unter der blau-silbernen Schleife und schreckte nun aus seligem Schlummer „Leute, seid vernünftig! Guckt mich doch mal an! Ich ein Chef, sehe ich aus wie eine Respektsperson? So nackich wie ich bin werde ich entweder verhaftet wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, oder ich friere mir mein niedliches Popöchen ab. Und davonfliegen kann ich auch nicht. Wie ihr ja sehen könnt bringe ich ein paar Grämmchen zuviel auf die Waage und diese kleinen Flügelchen wären damit restlos überfordert.“


Der Lärm hatte noch einige andere im Baum geweckt und so kam der nächste Vorschlag vom Teddybär, der weiter oben hing: „ Na dann Du, Santa Snoopy!“ „ Oh, ja“ schloss sich die Schnee- und Weihnachtsmannabteilung an. „Häh, was? Seid ihr noch ganz dicht?  Ich bin amerikanischer Staatsbürger! Das geht ja schon rein rechtlich überhaupt nicht! Stellt Euch vor ich beiße jemand aus Versehen, ich könnte ausgewiesen werden und mir gefällt es hier ausnehmend gut, das will ich nicht riskieren!“


„Na dann Du, Rotkäppchen“ schlug der extravagante Fisch vor, der endlich auch aufgewacht war. „Bei Dir besteht ja kein Zweifel über die Staatsbürgerschaft und  Du hast einen respekteinflößenden Wolf an Deiner Seite.“ „Spinnst Du? Ich bin noch minderjährig und habe nicht einmal das Wahlrecht, von Führerschein ganz zu schweigen! Und der Wolf, den kannst du vergessen, dem ist nicht zu trauen und der macht sowieso nur das was er will. Der wäre mir keine große Hilfe!“


Mittlerweile war der ganze Baum wach und man verstand sein eigenes Wort nicht mehr. Vielleicht hatte in diesem ganzen Durcheinander ja noch jemand einen konstruktiven Vorschlag gemacht, nur leider war es viel zu laut um irgendetwas zu hören. Und es wäre wohl noch Stunden so weitergegangen wenn nicht von weiter unten eine kleine Stimme gesagt hätte: „RUHE! Aber sofort!“


Mehr war nicht nötig, das Geschrei verstummte augenblicklich. Die kleine Stimme gehörte nämlich zum ältesten, hoch angesehenen Christbaumbewohner. Geradezu uralt, man munkelte, dass er aus den Sechzigern, vielleicht sogar aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts stammte, er wusste alles und war durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Der kleine Goldpapier-Engel! „Wir brauchen keinen Chef! Wir haben schon eine Chefin, die Manuela, die macht das schon jahrelang und sehr gut, oder ist da jemand anderer Meinung?“ Natürlich war keiner anderer Meinung, noch nicht mal die unteren Abteilungen, denn wenn sie ehrlich waren hatten ja auch sie eine sehr wichtige Aufgabe im Baum zu erfüllen. „ Keiner?“ fragte der kleine Goldpapier-Engel „Dann bitte ich mir jetzt Ruhe aus! Ich bin schon etwas älter und brauche meinen Nachtschlaf.“

Erleichterung breitete sich im Baum aus und alle waren zufrieden dass diese Sache nun so schön geklärt war und sie wieder in aller Ruhe und nach Herzenslust zusammen rumhängen durften.


Die restliche Christbaumsaison verlief unspektakulär und irgendwann im Januar, als der Baum leicht ergraute und die Nadeln fallen ließ, machte Manuela was jeder gute Christbaumchef tut. Sie schmückte ab, verabschiedete sich von jedem Schmuckstück höchstpersönlich und mit Handschlag und verpackte alles wieder schön ordentlich. Sie warf den Baum hinaus, fegte die Nadeln zusammen und stutzte: „Was ist denn das für ein hässlicher großer brauner Fleck auf meinem schönen neuen Fliesenboden?“ Bei genauerer Betrachtung lag in der Mitte dieses hässlichen braunen Fleckes eine Maus, sehr tot und dank Fußbodenheizung auch hübsch durchgetrocknet. „IGITT!“ sagte Manuela und beförderte diese Weihnachtsmaus der besonderen Art auf die Kehrschaufel und zum Kompost. Mit dem Fleck hatte sie etwas länger zu tun, der war nämlich hartnäckig.

Wenn jemand nun ganz genau hingehört hätte, wäre ihm anerkennendes Gemurmel aus den Weihnachtsschmuckkisten aufgefallen: „Unsere Christbaumchefin ist die Beste!“ „Ja, genau!“ „Hab ich Euch doch gleich gesagt.“ Manuela konnte es leider nicht hören, sie hatte mittlerweile den Staubsauger in Betrieb genommen.

Ihr fragt nun ob das auch wirklich echt wahr ist was ich da erzählt habe? Ja, es ist alles wirklich echt wahr! Besonders die Stelle mit der MAUS! Das hätte man doch riechen müssen, meint ihr? Nein, ich kann euch versichern es hat kein bisschen gerochen! Und was ist mit Manuela? Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, dass sie schon einige Male die Riesenweihnachtsschmuckkiste inspiziert hat und ein Christbaum soll auch schon hinterm Haus liegen.

Viele, liebe Adventsgrüße an Euch alle von
Manuela

Kommentare:

  1. danke für die unterhaltsame "Geschichte" ;-)
    du hast wunderschönen Christbaumschmuck und einen tollen Baum!
    Frohe Weihnachten!!
    Lg
    Stini

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  2. Ein wunderschöner Baum, bei dem eigentlich nichts und doch alles zusammenpasst. Die Christbaumschmuckfraktion hat sich auf alle Fälle die beste Chefin "ausgewählt".
    Danke für die bezaubernde Geschichte.
    Liebe Grüße
    Beate

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  3. Eine wunderbare Geschichte! Und tolle Fotos!

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  4. oh manuela, was für eine wundervolle geschichte! ich bin ganz entzückt!!! und die fotos sind wunderschön dazu - ich werde es heute mittag noch mal mit den kindern lesen... danke dafür! und liebe grüße, sandra

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  5. Schöne Geschichte! Und wirklich nett erzählt.

    Und dass man die Maus nicht riechen konnte, glaube ich dir aufs Wort, wir haben mal bei einem Umzug eine hinter einem Schrank gefunden, von der auch niemand was mitbekommen hatte.

    LG
    Dani (lillooet)

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  6. Eine richtig tolle Geschichte so zwei Tage vor dem großen Fest. Die Geschichte hast du schön mit den Bildern abgestimmt. Und dein Baum ist absolut grandios.
    Viele weihnachtliche Grüße von
    Stine

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  7. Hallo Manuela!
    Deine Geschichte und Dein Baum sind wunderschön!!
    Danke fürs Teilhaben lassen.
    Bine aka scrapbiene aus dem dp-forum

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